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Wilde Mamas, wilde Kinder?

Posted in Erziehung

Es gibt Tage, an denen hoffe ich, dass ich die Pubertät von Ida nicht miterleben muss. Ich habe einen „Threenager“ zu Hause und der kann mich wirklich auf die Palme bringen. Ständig gibt es Widerworte und der Tonfall ist auch nicht gerade der, den ich erwarte, wenn ein Kind mit einem Erwachsenem spricht. Während mich mein Kind also anschreit, frage ich mich häufiger: Bin ich der wahre Grund für dieses Verhalten? 

Ich bin eigentlich ein entspannter Mensch, zumindest dann, wenn alles so läuft, wie ich es will. Ich habe einen Dickkopf und deshalb habe ich auch mit Konsequenz kein Problem (ohne Konsequenz würde meine Tochter hier auf den Tischen tanzen). Ich weiss mich also durch zusetzten; da ist es doch eine logische Konsequenz, dass Ida das Durchsetzen nun auch an mir erproben will.

Ich merke immer häufiger, wie ich die Stimme erheben muss und Ida nur auf diese Weise tut, was sie soll. Manchmal hilft selbst das nicht. Aber dieses Rumgeschreie ist unheimlich ermüdend. Oft habe ich schon währenddessen keine Kraft und auch keine Lust mehr.

Nun könnte mein Mann mir zumindest manchmal die leidige Aufgabe des Erziehens abnehmen, aber wie in vielen anderen Familien, arbeitet mein Mann sehr viel, so dass er meist in den „Erziehungsmomenten“ nicht da ist. Ist er anwesend, ist er auch keine Hilfe, denn entweder stellt er sich auf Idas Seite (Ich: „Ich schneide die Äpfel, aber die Schale bleibt dran“. Ida scheint dies zu akzeptieren und sagt nichts. Mein Mann:“Äpfel mit Schale? – BUUUUUUHHHH“) oder er setzt völlig übertriebene Bestrafungen an (Ida hört nicht, mein Mann sagt ohne jegliche Vorwarnung „Ida, du schläfst die ganze Nacht allein! (Idas größter Albtraum) ). Ich mache ihm keine Vorwürfe deshalb, weil ich Erziehen wirklich schwer finde, und wenn man nicht im täglichen Geschehen drin ist, fehlt einem vielleicht das nötige Feintuning.

Dies ist also ein Problem, das nur ich lösen kann und muss. Ich möchte ein Kind, das gehorcht und trotzdem für sich denken und  kritisch hinterfragen kann. Steht dies nicht in Konflikt zueinander? Wenn ich Ida’s großes Vorbild bin, kann ich dann überhaupt erwarten, dass sie mir immer folgt, ohne Widerstand?

Wenn ich möchte, dass meine Tochter sich behaupten kann und  selbstbewusst ist, dann muss sie auch mal gegen mich gehen, darf mal zurück schreien und muss ausprobieren dürfen, ob es tatsächlich die Strafe gibt, mit der ich drohe. Es gehört scheinbar zum ewigen Erziehungskreislauf dazu. Für mich bedeutet das, aufpassen und immer wieder zuhören, ob mein kleines Individuum nicht eventuell doch im Recht ist und mein Dickkopf mit mir durchgeht.

Mein kleiner Threenager hat nicht nur modisch ihren eigenen Kopf. Aber sie kann auch zuckersüß sein
Mein kleiner Threenager hat nicht nur modisch ihren eigenen Kopf. Aber sie kann auch zuckersüß sein

4 Comments

  1. Hallo Katja!
    Ich finde es wesentlich wichtiger zu seinen Kindern eine gute Beziehung aufzubauen, als sie zu „erziehen“. Du denkst jetzt vielleicht, dass ich einen antiautoritären Erziehungsstil pflege, aber das kann ich klar mit Nein beantworten. Ich möchte nur sagen, dass sich zB Drohungen (dauerhaft) gar nicht so gut auswirken. Weder auf die Entwicklung, die Beziehung zwischen Eltern und Kind, noch dass dein Kind „folgt“. Kinder wollen ihre Eltern glücklich machen und mit ihnen kooperieren. Ich denke, das aller wichtigste ist, Kinder respektvoll, achtsam, liebevoll und wertschätzend zu begleiten, als sie zum Gehorsam zu erziehen! Vielleicht hast du schon was von Jesper Juul gehört? Falls nicht, lade ich dich dazu ein, einen Blick in seine Bücher zu werfen.

    11. April 2016
    |Reply
    • Katjaschiller
      Katjaschiller

      Hallo Manuela,
      nein, kenne ich noch nicht. Nach einem kurzem Blick auf Wikipedia gefällt mir seine pädagogische Ansicht aber ganz gut. Vielen Dank für den Tipp!Mir ist es auch wichtig, dass meine Kinder respektvoll und liebevoll aufwachsen und nicht „kleine gehorsame Roboter“ sind (auch wenn es manchmal so viel einfacher wäre).
      Kannst du ein Buch besonders empfehlen?
      Liebe Grüße

      11. April 2016
      |Reply
      • Hallo Katja! Gerne 🙂 Ich hatte auch nicht immer diese Haltung und wurde erst durch einen Spielraum nach dem Konzept von Emmi Pikler darauf aufmerksam gemacht. Das erste Buch von Jesper Juul, welches ich gelesen hatte, war “ das kompetente Kind“. Ich finde dieses Buch genial, doch als „Anfänger“ fand ich es teilweise etwas schwierig zu lesen. In diesem Buch, beschreibt Juul so ziemlich alles, was man wissen sollte 😉 das neue Buch „Leitwölfe“ kenne ich noch nicht, aber ist vielleicht eine Alternative? Ebenso zu empfehlen ist das Buch“ von der Erziehung zur Einfühlung“ von Naomi Aldort. Außerdem kann ich dir die Blogs http://www.geborgen-wachsen.de und herzensglueckskind.com empfehlen! Alles
        Liebe und vie Spaß mit Jesper Juul 😉

        12. April 2016
        |Reply
        • Katjaschiller
          Katjaschiller

          Oh wie toll! Ich danke dir vielmals!

          12. April 2016
          |Reply

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