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Wie ich meinem Kleinkind das allein (ein)schlafen beibrachte

Posted in Erziehung

Auf dem Nachhauseweg vom Kindergarten passiert es. Ida (3) ist unausstehlich, schlecht gelaunt und will einfach nicht mitkommen. Ich habe schon sämtliche Druckmittel verbraucht und muss dringend nach Hause. Also sage ich: „Wenn du jetzt nicht kommst, musst du heute allein einschlafen“. Ich ahne nicht, dass dies der Anfang meines größten Erziehungserfolges werden soll.

Aber fangen wir am Anfang an. Durch einen super Kommentar zu meinem letzten Beitrag übers Thema Schlaf (du findest den Beitrag hier) wurde ich darauf gebracht mit einer Belohnungstafel zu arbeiten. Ich besorgte recht schnell eine rote Pappe und schön glänzende Sticker, doch wartete ich mit der Einführung erst eimal ab. Als Ida die schönen Sticker entdeckte, erklärte ich ihr kurz, dass sie bald allein schlafen wird und dass sie die Sticker für jede „erfolgreiche“ Nacht bekommt. Für die nicht geschafften Nächte habe ich langweilige farbige Punkte geholt.

Die Vorbereitung

Das erste Problem, das sich mir stellte war, dass Ida keinen größeren Wunsch hatte, der ihr am Ende der durchgeschlafenen Nächte winken konnte. Was macht man also, wenn die Motivation fehlt? – Man erschafft das Verlangen nach etwas. In unserem Fall: ein Roller. (Ich glaube nicht, dass es unbedingt etwas Großes sein muss, aber Ida hat im Dezember Geburtstag, da war es ein schöner Anlass ihr mal etwas größeres zu gönnen).

Ich zeigte ihr immer wieder Mädchen mit Roller aus unserer Nachbarschaft, ein paar ihrer Freunde kommen mit dem Roller zum Kindergarten, also machte ich sie darauf aufmerksam und sie wollte den Roller immer mehr.

Wir springen zurück zu dem Tag meiner Ankündigung. Ich erinnerte Ida noch mehrfach daran, dass sie heute alleine einschlafen müsste. Ich versicherte ihr, dass Ihr Papa sich wie gewohnt in der Nacht zu ihr legen werde. Am Abend gab es erstmal sehr viele Tränen, dann Geschrei, dann Gebocke, aber ich blieb hart. Ich bestärkte sie, dass sie ein großes Mädchen ist, zählte alle Leute auf, die schon allein schlafen können und sagte ihr, dass ich an sie glaube! Wie immer versicherte sie mir, dass sie Angst hat, so machten wir uns auf in ihr Zimmer und ich richtete ihr Zimmer genauso her, wie sie es verlangte. Die Tür sperangelweit offen, das Rollo nicht unten und ihre Nachttischlampe brennt. Ich sagte ihr, dass ich früher immer wenn ich Angst hatte meine Kuscheltiere ins Bett genommen hab, denn diese beschützen die Kinder. Also suchte sie sich für jeden Arm eins aus. Und ich versprach immer wieder nach ihr zu sehen. Und das tat ich auch, erst war es alle 2 Minuten, kurz hinein und gesagt, „ich bin da und du schaffst das“. Und dann merkte ich langsam, dass sie müde wurde und blieb etwas länger fern, damit ich sie nicht aus der Einschlafphase hole.

Am nächsten Morgen lobten wir sie sehr sehr doll und so fragte sie von allein nach der Einschlaftafel! Ich hatte ihr immer wieder davon erzählt und so wusste sie schon was auf sie zukommen würde.

Also malten wir los. Ich gebe zu, ich wollte ihr eigentlich eine super schön gestaltete Tafel machen mit symetrischen Kästchen und schöner Schrift, doch Ida wollte unbedingt mit malen und so ist es tatsächlich ihre Tafel geworden

Nicht perfekt, aber mit Idas Hilfe gemacht.
Nicht perfekt, aber mit Idas Hilfe gemacht.

3 Wochen sollte sie sowohl allein einschlafen, als auch durchschlafen, dann gibt es den Roller. Da 3 Wochen ziemlich lang sind, versprach ich Ihr eine Kleinigkeit nach 7 Nächten. (Ida kann sich die Zahl 7 schon sehr gut vorstellen und es schien mir greifbarer als 21 Nächte)

Die erste Nacht

Da Ida schon allein eingeschlafen war, musste ich sie nur daran erinnern, dass sie es schon einmal geschafft hatte. Ich erzählte Ihr, dass ich nach oben komme, wenn sie eingeschlafen ist, sie küsse und ihr sage, dass ich stolz auf sie bin. Wir richteten ein Bett in der Nähe von Idas Zimmer ein, auf dem mein Mann schläft, um sofort bei Ida zu sein, wenn sie aufwacht und Angst hat. All das gab ihr Sicherheit.

Als ich das erste mal hoch kam, stellte sie sich schlafend. Ich ignorierte ihre zuckenden Augenlieder und das verkniffene Gesicht, küsste sie ganz zart und sagte ihr wie stolz ich auf sie bin. Danach gingen Idas Augen auf. Sie behauptet noch immer, dass sie schon geschlafen hat und ich bestehe nicht auf die Wahrheit.

Das erste Mal wurde sie um 3 Uhr wach in dieser Nacht und mein Mann legte sich zu ihr. Wir lobten sie wieder sehr doll und es gab den ersten Sticker. An diesem Morgen machten wir aus, dass es einen Kleinen Sticker für allein Einschlafen gibt, einen Großen, wenn sie zusätzlich noch die Nacht allein schafft.

Die Folgenden Nächte

Einschlafen ist kein Problem mehr gewesen und es ging erstaunlich einfach. Wenn Ida noch kuscheln will, kuschle ich noch eine Weile, achte aber darauf, dass es nicht allzu lang ist. Sie kommt viel schneller zur Ruhe, wenn ich nicht da bin und sie mir alles erzählen kann. Und durch die offene Tür erzählt sie mir immer noch genug 😉

Fürs Durchschlafen sagte ich ihr immer, dass sie Papa in der Nacht wieder weg schicken soll. Und schon nach 3 Nächten gab es die erste durchgeschlafene Nacht.

Mit Licht einschlafen? Ja, es geht! Sogar besser, als im Dunkeln.
Mit Licht einschlafen? Ja, es geht! Sogar besser, als im Dunkeln.

Die Rückschläge

Innerhalb der 21 Tage wurde Ida krank. Sie hatte Fieber und wollte nicht allein schlafen, so gab es eine Nacht, in der mein Mann wieder zu ihr ins Bett kam. Am nächsten Tag ging es ihr schon deutlich besser, also bestärkten wir sie nochmal, dass es wieder allein geht.

Es gab auch eine Nacht, in der ich sie zu mir holte. Mein Mann war beruflich unterwegs, ich musste schon das dritte mal aufstehen um sie zu beruhigen, da holte ich sie in mein Bett. Die nächste Nacht schlief sie wieder durch, in Ihrem Bett.

Oftmals wollte Ida wieder aufstehen und sagte: Ich lege mich nicht ins Bett! Ich bekomme sie immer damit rum, dass ich sonst die Tür zum Zimmer zu mache und notfalls abschliesse. Das testet sie nicht aus.

Das was am Meisten gegen Rückschläge hilft: Dran bleiben! 

Das Fazit

Es gibt nicht einen einzigen Punkt auf Idas Tafel; nur schöne Glitzersticker. Mehr als 21 Nächte schläft Ida nun allein. Sie schläft allein ein  (ja, es ist eine Erlösung!) und schläft viele Nächte durch. Das Kinderleben ist so erlebnisreich, dass sie viel und wild träumt, daher glaube ich, dass es normal ist, dass eine 3-Jährige noch ab und zu in der Nacht aufwacht.

Das Schönste daran ist, wie stolz Ida auf sich selbst ist. Sie war wahrscheinlich noch nie so stolz auf etwas, das sie erreicht hat.

Was kommt nach den 21 Tagen?

Ida hat mir gesagt, dass sie die schönen Sticker jetzt lieber so haben will. Also müssen wir ihr jetzt nicht für die nächsten Monate alle 3 Wochen eine Überraschung kaufen. Vielleicht werde ich die Tafel irgendwann noch einmal herausholen, falls es schlechter mit dem schlafen läuft. Bisher schläft sie auch ohne Sticker am morgen ein.

Hier schläft sie tatsächlich schon und wartet nicht darauf, dass ich ihr sage, wie stolz ich auf sie bin
Hier schläft sie tatsächlich schon und wartet nicht darauf, dass ich ihr sage, wie stolz ich auf sie bin

Wie sehen bei euch die Nächte aus? Gehörst du zu den Menschen, deren Kinder immer schon gut einschlafen konnten? Oder bist du -so wie ich bis vor Kurzem- davon genervt immer mit am Bett zu sitzen? Und wenn du dich nicht traust, dann schreib mir einfach (hier im Kommentar oder per Mail) und ich motiviere dich!

 

4 Comments

  1. Toll! Ich habe ganz ähnliche Erfahrungen gemacht. Bei uns musste es eine Kindermotorsäge sein 😉 Ich hatte Glück und es hat gleich nach der ersten Nacht super geklappt. Ich denke es ist okay, wenn man manchmal diese Belohnungs-Schiene fährt. Alles Liebe euch!

    1. Mai 2016
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    • Katjaschiller
      Katjaschiller

      Super, dass es bei euch auch geklappt hat! Euch auch alles Liebe!

      1. Mai 2016
      |Reply
  2. Andrea
    Andrea

    Danke! Ich warte noch auf die zündende Idee, um mein Hummelchen davon zu überzeugen, dass sie alleine schlafen möchte. Vielleicht klappt es ja irgendwann… die kleine Hummel ist auch drei…
    Liebe Grüße, Andrea

    26. Januar 2017
    |Reply
    • Katja
      Katja

      Ich glaube du merkst wenn dein Kind langsam soweit ist!

      26. Januar 2017
      |Reply

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