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Ein Tag so süß wie Honig – Ein Geburtsbericht

Posted in Muttergefühle

Ein Tag so süß wie Honig oder auch der Tag an dem ich allein auf allen Vieren in der Eingangshalle des Krankenhauses von einem Penner angelallt wurde.  Berenice von www.phinabelle.wordpress.com  hat zur Blogparade „Meine Wahrheit über’s Kinderkriegen“ aufgerufen und ich beteilige mich mit dem Bericht über Milous Geburt.

Der Tag vor der Geburt 

Meine Freundin Bela guckt ganz enttäuscht, als ich einen Tag vor Stichtag (Freitag) mit den „News“ vom Frauenarzt nach Hause komme, dass die kleine Madame wohl noch auf sich warten lassen würde. Wir hatten Bela extra 2 Wochen vor Stichtag einfliegen lassen damit jemand auf Ida aufpassen konnte, wenn das Baby kommt. Am Sonntag würde sie wieder zurück nach Hamburg fahren und meine Mutter würde den Bereitschaftsdienst übernehmen.

Ich habe keine Wehentätigkeit, und auch alle anderen Signale stehen auf „Baby bleibt für immer im Bauch“. Ich trinke meinen ersten Himbeerblättertee ohne zu ahnen, dass dies auch der letzte sein wird.

Stichtag

Noch in dieser Nacht fangen die Wehen an, so stark, dass ich immer wieder davon aufwache. Ab 5 Uhr sind wir alle wach, ich gehe duschen, um zu schauen, ob die Wehen sich wieder legen. Es wird ein wenig besser und wir machen erstmal eine Einkaufsliste, damit Ida und Bela/meine Mama auch die nächsten Tage gut versorgt sind.

Mein Mann ruft auf mein Drängen hin auch meinen Vater an, damit meine Eltern sich heute schon auf Weg von Hamburg nach Ludwigsburg machen. Ich habe das starke Gefühl, dass ich die Nacht nicht zu Hause verbringen werde und will, dass meine Mutter auch bei Ida ist.

Als mein Mann vollbepackt aus dem Supermarkt kommt, sind die Wehen wieder verschwunden, so dass ich ihn erst einmal arbeiten schicke. Mir fallen nach dem Frühstück noch einige Dinge ein, die auf der Einkaufsliste fehlen, und so machen Bela, Ida und ich uns auf, den Rest zu besorgen. Gegen 12 Uhr an der Kasse bei Lidl kommen die Wehen zurück, wieder stark diesmal in kürzeren Abständen (ca. alle 10 Min), wir fahren aber lieber noch schnell Windeln kaufen.

Meine Eltern sind nun auch auf dem Weg zu uns und ich warte darauf, dass mein Mann endlich wieder kommt. Meine Freundin und ich messen die Abstände und mir graut es vor jeder 7. Minute. Als mein Mann nach Hause kommt, schlägt er vor, vielleicht doch mal zum Krankenhaus zu fahren. Ich bin so gechillt wie noch nie und antworte:“Na gut, wenn ihr unbedingt wollt!“. Da ist es 15:30 Uhr.

Im Krankenhaus angekommen bin ich fest davon überzeugt, dass wir wieder nach Hause geschickt werden, ich werde untersucht und die Ärztin fragt: „Wie weit war denn der Muttermund gestern schon offen?“ Ich:“Gar nicht“ Sie:“Oh, Glückwunsch, jetzt haben sie ca. 5-6 cm geschafft“ Jetzt dämmert auch mir, dass es wohl los geht und unsere Maus raus will. Nach dem CTG will ich unbedingt Treppen steigen, denn das hat bei Idas Geburt sehr geholfen. Die Schwester schaut irritiert, lässt mich aber gehen, weil ich ja in Begleitung meines Mannes bin. Ich schaffe genau 4 Stockwerke runter,rauf und runter, dann ist mir heiss und ich will raus. Mein Mann braucht aber erstmal dringend etwas zu essen aus dem Shop. Er kauft M&Ms und draussen vor der Tür flippe ich das erste mal aus: Während ich mich an meinen Mann klammere und versuche die Wehe zu überstehen,  frisst isst mein Mann ununterbrochen diese blöden bunten Dinger. Es fehlt nur, dass er sie hoch wirft und mit dem Mund auffängt. Ich schnauze ihn an: „Andere Männer massieren ihren Frauen den Rücken, und du isst hier genüsslich deine M&Ms. Es reicht jetzt!“ Jetzt muss ich auf die Toilette, ich brauche für ca. 50 m ungefähr 6 Stops, weil ich eine Wehe nach der anderen habe. Ich sitze auf der Toilette und ich muss gar nicht, denn nur mein Baby drückt mir auf die Blase. Genau in diesem Augenblick bekomme ich Angst, denn ich bin im Erdgeschoss und der Kreissaal im 4. Stock. Die Wehen kommen so häufig, dass mir allein der Weg zum Fahrstuhl vorkommt, als sollte ich von Stuttgart nach Hamburg zu Fuss gehen. Ich komme aus der Toilette und sage meinem Mann, dass ich es nicht mehr in den 4. Stock zum Kreissaal schaffe. Er versucht mich zu motivieren:“Es ist nicht so weit, das schaffst du schon!“ Nach 2 Schritten kommt die nächste Wehe, ich schmeisse mich auf alle 4 auf den Boden, weil die Wehe nicht mehr auszuhalten ist. Während mein Mann zur Information sprintet, um mir einen Rollstuhl zu besorgen, kommen Leute an mir vorbei, fragen, ob sie mir helfen sollen, die ersten sehr nett, dann kommt ein Penner und lallt mich an: „Na, brauchscht Hilfe?“ Doch mein edler Retter steht auf einmal mit dem Rollstuhl neben mir und hebt mich in den Rollstuhl und fährt so schnell es geht zum Fahrstuhl. Die Panik verfliegt und ich weiss, wir schaffen es doch bis oben. Im Kreissaal angekommen,flehe ich nach Schmerzmittel (mir schwebt eine PDA vor). Da ist es 17.40 Uhr. Es vergehen gefühlte Stunden, bis die Hebamme alles vorbereitet hat. „So, jetzt darf ich aber nicht vergessen zu schauen, ob ich das Schmerzmittel noch geben darf,“ sagt sie, untersucht mich, um dann festzustellen: „Zu spät, es geht los!“

Die Geburt geht los…

Die Hebamme fragt mich, wie es für mich am bequemsten ist und ich antworte: „auf allen 4“ (später denke ich, wie blöd und anstrengend ist das denn?!?). Meine Fruchtblase ist nicht geplatzt also wird sie künstlich geöffnet. Dann geht alles ganz schnell. Ich bin Königin des Jammerns und meine Hebamme ist so freundlich und wiederholt ständig: „Sie schaffen das, sie machen das ganz toll!“ 3 Presswehen später ist mein kleines Mädchen geboren. Um 18:10 kommt Milou auf die Welt. Ich darf endlich meine Position wechseln, meine Arme und Beine zittern vor Erschöpfung und ich kann mein selbstgemachtes Glück in den Armen halten. Die Ärztin fragt, ob mein Mann die Nabelschnur durchtrennen will und glücklicherweise sagt er „lieber nicht“. (Er hatte das Erlebnis ja schon einmal). Also darf ich und es ist das intensivste Erlebnis, was ich je hatte.

Sie ist da!

Mein kleines Mädchen liegt in meinem Armen und ich kann alles viel bewusster als bei Ida wahrnehmen. Ihre sanfte Haut auf meiner zu spüren, sie zu streicheln und zu küssen, das sind Momente des Glücks, wie man sie nicht erahnen kann. Während ich bei Ida mein Muttersein noch gar nicht fassen konnte, überströmt mich mit Milou eine unglaubliche Liebe und Fürsorge, ich kann sie willkommen heissen und mich ganz auf sie konzentrieren. Ich bestaune sie stundenlang, schaue mir jedes Fingerchen genau an und versuche alles aufzusaugen. Milou bedeutet „so süß wie Honig“ und das sind die ersten Sekunden, Minuten und  Stunden mit ihr auch. Um ehrlich zu sein ist seither jeder Augenblick mit ihr bezaubernd.

NeugeborenesIda und MilouIMG_5366

 

5 Comments

  1. […] sehr humorvoll von Kinderwunsch bis Geburt ihrer beiden Kinder 12. Katja vom Blog Mamatized schreibt über die Geburt ihrer Tochter 13. Ramona vom Blog  Jungmami erzählt ihre Wahrheit […]

    11. Juni 2016
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  2. Oh, ich bin ganz betäubt von deinem schönen Geburtsbericht ?. Einfach herrlich ihn zu lesen und ich bin ganz bei dir, die zweite und auch meine dritte Geburt, sind nicht mit der ersten zu vergleichen. Du hast mir meinen Abend mit Honig versüßt. Danke liebe Katja.

    12. Juni 2016
    |Reply
    • Katjaschiller
      Katjaschiller

      Vielen lieben Dank, Lori! Schön, dass er dir gefallen hat. Liebste Grüße
      Katja

      13. Juni 2016
      |Reply
  3. Was für ein toller Geburtsbericht! Und einen schönen Namen hat die kleine Maus bekommen 🙂

    19. Juni 2016
    |Reply
    • Katjaschiller
      Katjaschiller

      Oh vielen lieben Dank!

      19. Juni 2016
      |Reply

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