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Pony Horror Picture Show

Posted in Muttergefühle

Heute auf der Wasn (die Cannstatter Wasn). Es regnet als wir ihn entdecken, den Ponyreiten-Stand. Wie viele andere Mädchen zwischen 3 und 8 möchte auch meine Tochter sofort dorthin, um auf einem echten Pferd zu reiten. Wir Eltern sind bei dem Wetter dankbar für das Dach über dem Kopf, denn der Regen wird stärker.

Mein Mann bezahlt für einmal Reiten. Er stellt sich mit meiner Tochter an den Eingang und ich sehe schon, dass er nicht beim ersten mal ran kommen wird, da es keine Schlange gibt, an der man sich anstellen soll, sondern nur einen 2 m Breiten Eingang, abgesperrt durch ein Band, zu dem alle Kinder drängeln. Mein Mann drängelt nicht. Es gibt genau 8 Ponys und sehr sehr viele Kinder.

1. Runde

Kaum sind die Ponys 5 mal im Kreis gelaufen, halten sie automatisch an, denn sie kennen den Ablauf in- und auswendig. Als das Band geöffnet wird, rennen alle Kinder in die Arena und jedes versucht sich ein Pferd zu schnappen. Ein Mädchen fängt an zu weinen, wodurch es meine Aufmerksamkeit gewinnt. Es weint, weil das Mädchen auf dem Pony, das sie sich ausgesucht hatte, noch einen Chip in der Hand hat und somit nicht absteigt. Der Vater des weinenden Mädchens, schiebt sie wieder vor die Arena. Die Eltern des Mädchens auf dem Pony sagen nichts, außer, dass das die letzte Runde für sie ist.

2. Runde

Mein Mann hat jetzt gecheckt, wie der Hase läuft und ich bin froh, dass er sich mit meiner Tochter direkt vor den Einlauf stellt. Eine Mutter rennt schnell zur Kasse und kauft 3 Chips nach, denn ihr Kind sitzt nun auf einem Pony, und solange die Eltern Chips nachkaufen, bleiben diese Kinder auf ihren Pferden hocken. So scheint das System, auch wenn es Scheiße ist.

Die 5 Runden sind um, das gleiche Spiel beginnt. Alle rennen, auch die Eltern, außer mein Mann mit unserer Tochter. Dem ist sowas schon immer zu blöd gewesen. Sein kompletter Arbeitsalltag besteht aus Wettbewerb, da muss er an seinem einzigen freien Tag nicht die Ellenbogen gegen die anderen Eltern ausfahren.

Leider führt die Ruhe meines Mannes dazu, dass meine Tochter auf kein Pony kommt, also nochmal raus.

3.Runde

Neben mir steht ein Mann mit seinen zwei Kindern, für jeden einen Chip in der Hand. Ich ahne, dass er die Kinder einfach hinein heben will, denn der Eingang liegt uns gegenüber. Mich macht die ganze Stimmung mit dem „um-die-Ponys-Gerenne“ schon leicht aggressiv, deshalb weise ich ihn darauf hin, dass der Eingang auf der anderen Seite ist. Irritiert schaut er mich an, geht dann aber rüber. Eine dicke Frau hat es diesmal vor meine zwei Wartenden geschafft, aber ich sehe schon am Blick meines Mannes, dass er diesmal ein Pony abbekommen wird.

5 Runden sind vorbei, diesmal gehen meine Zwei auf ein kleines Pony zu, das hinter den anderen steht. Der Junge auf dem Sattel hat keinen Chip mehr. Ein älterer Herr wird von dem „Domteur“, der in der Mitte die Peitsche wedelt, ansonsten aber für keine Ordnung sorgen kann, angesprochen. Er soll schnell neue Chips kaufen. Da fängt meine Tochter an zu weinen. Ich meckere  den Opa an, der ist aber so benommen, dass er es gar nicht mitbekommt. Ich rufe meinem Mann zu, dass wir jetzt gehen und ich nur noch schnell den Chip zurück tausche.

Die Kasse

Bereits während der Opi noch seine neuen Chips kauft, rufe ich genervt ins Kassiererhäuschen: „Ich will jetzt mein Geld zurück.“ Ich werde ermahnt, dass der Opi noch vor mir dran ist.  Ok, das besagt mir meine Kinderstube, ich warte bis ich dran bin, auch wenn das an diesem Ort bisher von niemanden so gehandhabt wurde.

Im Kassiererhäuschen sitzt ein bulliger Mitzwanziger, der weder so aussieht, als würden ihm Tiere, noch Kinder sehr am Herzen liegen. Aber das war ja nicht meine Personalentscheidung. Ich lege nochmal los: „Ich will mein Geld zurück“. Er: „Leider kann man die Chips nicht wieder zurück tauschen.“ Ich: „Das ist mir egal, ich will mein Geld zurück, denn meine Tochter ist jetzt das dritte mal nicht auf ein Pferd gekommen, nur weil hier Leute sind, die immer wieder Chips nachkaufen, und ihr das zulasst!“ Er: „Wenn sie an der Reihe sind, können Sie ja auch mehr Chips kaufen!“ Ich lächle: „Nein das tue ich nicht, ich will jetzt mein Geld zurück“. Eine zweite Frau kommt mit ihrer Tochter dazu und verlangt auch ihr Geld zurück. Er: „Das geht nicht, denn es steht auf den Chips, dass sie nicht umtauschbar sind.“ Er zeigt uns einen Chip, den keine von uns beiden anschaut und sagt:“Tja, wer lesen kann ist im Vorteil!“* 

*Randnotiz: Alle, die mich kennen, wissen, dass genau mit dieser Aussage meine Spieltrieb geweckt wurde. Jetzt weiß ich, dass ich das Geld zurück bekommen werde.                  

Ich: „Das ist mir scheissegal! Ich will jetzt meine…“ kurzer Blick auf die Preistafel „… scheiss 4 Euro zurück haben, sonst gehe ich nicht!“ Die andere Dame hält sich mit Worten zurück, weicht mir aber nicht von der Seite und wir blockieren weiter die Kasse. Der Kassentyp versucht noch mal:“Wir zahlen kei..“ Ich unterbreche:“Sie geben mir jetzt mein Geld zurück, sonst bleibe ich hier stehen und erzähle jedem Ihrer Kunden, wie ihr Scheiss-System hier läuft.“ Mein Mann hat uns jetzt auch erreicht und raunzt noch ein:“Geben sie uns jetzt unser Geld!“ hinterher. Patzig sagt der Kassierer: „Na gut, dann geben sie mir 1€, dann gebe ich ihnen nen 5er“.

In Filmen hat der Mann in solchen Situationen das Geld immer sofort parat, meiner kramt und gibt ihm 4 5-Cent-Stücke, ein 10-Cent-Stück, ein 20-Cent-Stück und ein 50-Cent-Stück. Theatralik war noch nie so seins. Wir und auch die Frau bekommen unser Geld zurück.

Der Kassierer schreit uns ein „Arschloch“ hinterher. Der Dicke in der Mitte schreit ihn über die Köpfe der 8 reitenden Kinder hinweg an: „Geb denen gleich das Geld! Wenn so ne Arschlöcher denken hier so ne Scheisse zu machen, dann geb den Arschlöchern ihr Geld!“

‚Ist bestimmt ein schöner Ritt, den die 8 da gerade haben‘, doch da reisst mich meine 3-Jährige Tochter aus diesem Gedanken, schaut mich mit einem strahlendem Gesicht an und sagt:

„Oder Mama? Das wissen doch schon Kindergartenkinder, dass man einmal dran ist und dann der Nächste dran kommt!?!“

An den Dompteur und den Kassierer: Ihr ekelt mich mit dieser Masche an! Diese Unordnung dient nur Eurem Profit, weshalb ihr sie auch nicht beseitigt. Ich wünsche Euch Tieramt, Ordnungsamt und Verbraucherschutz an den Hals. Letztere kontaktiere ich vielleicht selbst nochmal, um zu fragen, ob das mit dem Chips so zulässig ist.

An die Eltern der „Mehr-Chips-Kinder“: Genau das wäre die Chance gewesen, Euren Kindern etwas beizubringen! Was haben sie heute gelernt? Ponyreiten.

An die Ellbogen-Eltern: Ich bin eine von Euch, trotzdem sind wir Scheisse! Wir sind Opfer vom System, oder rechtfertigen unsere Ellenbogen durch diese raue Welt. Ich mag euch (und mich) trotzdem.

An meinen  Mann: Ich danke Dir, dass du unserer Tochter heute gezeigt hast, wie man sich richtig verhält! Denn sie wird noch genug Ellenbogen in ihrem Leben lernen. Viel wichtiger ist das Warten, Anstehen und an der Reihe sein! 

Ida durfte dann auf diesem schönen Tier reiten. Das hat ihr auch Spass gemacht und niemand hat vorgedrängelt.
Ida durfte dann auf diesem schönen Tier reiten. Das hat ihr auch Spass gemacht und niemand hat vorgedrängelt.

8 Comments

  1. Jessi
    Jessi

    Unglaublich! Mich wundert es sowieso das sowas noch erlaubt ist. In meinem Augen reine Tierquälerei!
    Will nicht wissen wenn die so schon zu Menschen sind, wie sie mit den Armen Tieren umgehen. ?

    3. Oktober 2016
    |Reply
    • Katja
      Katja

      Mich hat auch gewundert, dass die Dinger immer noch existieren!

      3. Oktober 2016
      |Reply
  2. Oh diese Eltern! Ich komme mir manchmal auch so verlassen vor, wenn ich versuche meinen Kinder Reset und Anstand zu vermitteln. Es ist echt zum kotzen. Manchmal da möchte man auch mal Schwein sein und es laut hinaus brüllen. Und Arschloch ist man auch noch, wenn man den Sch….. nicht mitmacht ! Furchtbar!!!

    3. Oktober 2016
    |Reply
    • Katja
      Katja

      Ja, Recht hast du! Diese Jeder ist sich selbst der Nähste Einstellung ist zum kotzen!

      3. Oktober 2016
      |Reply
  3. Ach du Schande ?

    Gerade wenn man mit Kindern arbeitet, sollten gewisse Grundregeln gelten. Die machen das doch für die Kinder und da sollte Fairness und Verständnis an oberer Stelle stehen. Und der Umgangston ist absolutes NoGo!

    Aber schön, wie die Kleine sich über das Karussellpony freut! Das ist auch viel besser ?

    4. Oktober 2016
    |Reply
    • Katja
      Katja

      Finde ich auch! Das Karussell ist ein guter Ersatz gewesen!

      4. Oktober 2016
      |Reply
  4. Ganz ehrlich: Ich hasse diese Ponyreitgeschichten auf Jahrmärkten und mir wird immer ganz übel davon! Und wenn ich mir dann so vorstelle, wie ein „Dompteur“, der so mit seinen Kunden spricht, dann mit seinen Tieren umgeht…
    Reitet lieber weiter auf den Karussell-Ponys 🙂

    4. Oktober 2016
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    • Katja
      Katja

      So werden wir es jetzt auch Handhaben 🙂 Je länger ich dort stand, desto schlimmer fand ich es!

      4. Oktober 2016
      |Reply

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