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Protokoll einer Eingewöhnung

Posted in Erziehung

Mit 11 Monaten startet Milou in die Eingewöhnung bei ihrer Tagesmutter. Ich bin schon vor Beginn der Eingewöhnung froh, dass wir uns für eine Tagesmutter entschieden haben, denn mein sensibles Kind wäre bestimmt extrem angespannt in einer größeren Gruppe von 12 Kindern. Ich freue mich, dass wir eine familiäre Betreuung gewählt haben, auch wenn ich früher diesem Modell gar nicht getraut habe, weiß ich heute, dass Tagesmütter eine sehr gute Alternative zu Krippen bilden und meine erste Wahl für unter 3 Jährige sind.

1.Woche

Tag 1

Milou: Nachdem sie gerade von einer Fremden untersucht wurde und noch einer anderen Fremden gepiekt wurde (U6), sitzen wir nun etwas eingeschüchtert bei der Tagesmutter. Nach ca. 5 Minuten auf Mamas Schoß siegt die Neugier und Milou will zu den anderen Kindern. Nach ca. 5 Minuten fällt ihr ein: Wo ist eigentlich Mama? Sie sucht meinen Blick. Ach, Glück gehabt, Mama ist noch da. Viele Spielzeuge sind zu erkunden und Milou weiß gar nicht, was sie zuerst beschauen soll, ständig wird sie vom nächsten Teil abgelenkt. Sie kommt nicht ins Spiel, und sucht immer wieder meinen Kontakt. Nach ca. 45 Minuten werden die Frequenzen des Mama Suchens immer kürzer. Nach einer Stunde gehen wir vollkommen K.O. nach Hause.

Mama: Die Eingewöhnung fällt mir deutlich schwerer als bei Ida. Ich habe das Gefühl, für Milou könnte es noch ein bisschen mehr Zeit mit Mama vormittags allein sein, dort findet sie ihre Ruhe und kann schlafen, um nachmittags Kraft für die Zeit mit Ida zu haben. Kurz vor dem Haus der Tagesmutter atme ich tief durch. Wow, ein neuer Abschnitt beginnt und zum ersten Mal freue ich mich darauf. Bei der Tagesmutter bin ich für Milou da, spiele aber nicht mit ihr. Wenn sie kurz kuscheln will, nehme ich sie auf den Arm, ansonsten halte ich mich aber zurück. U6 am ersten Tag der Eingewöhnung würde ich nicht nochmal machen!

Wie war’s bei Ida: Ich konnte den Tag kaum abwarten, als es los ging. Ida löste sich sehr schnell von mir und verlies sogar gleich am ersten Tag den Raum in dem ich war. Sie war richtig gierig auf die anderen Kinder und meiner Erinnerung nach auch schon etwas weiter in der Entwicklung. Sie hatte die ersten Schritte allein gelaufen und war sehr selbständig (Ida lief z.B. nie an meiner Hand). Es gab kein weinen, ab und zu wurde nach der Mutter geschaut und nach 1 1/2 Std gingen wir nach Hause.

Tag2

Milou: Wieder sitzt sie erst auf meinem Schoß, löst sich und geht spielen. Die vielen neuen Eindrücke prasseln auf sie ein und sie quengelt viel. Allerdings kann die Tagesmutter sie auch gut ablenken.Gegen Ende fängt Milou sehr stark an zu weinen, sie ist hundemüde und lässt sich auch von mir nicht trösten. Ich habe den Eindruck, dass Milou zum ersten Mal FRUST kennenlernt.  Wenn etwas nicht so läuft, wie sie es möchte, dann strampelt sie mit den Füßen und bäumt sich, das kenne ich noch gar nicht von meiner Maus. Nach einer Stunde ist es wieder vorbei. Das reicht auch erstmal

Mama: Ich habe das Gefühl, dass meine Anwesenheit stört. Ich möchte natürlich für Milou da sein, aber ich wüsste gern, ob sie auch so oft meinen Kontakt suchen würde, wenn sie nicht ständig an mich erinnert wäre. Ich oute mich als Rabenmutter, denn Milou sprengt ihre Windeln und ich habe weder Windeln noch Wechselsachen mit. Oh Mann! Wenigstens ist auch dieses Kind kein Heimscheisser!

Ida: Auch der zweite Tag bei Ida verläuft sehr unkompliziert. Sie lässt sich von der Tagesmutter helfen und weint nicht. Geht ohne mich in einen anderen Raum. Ida hatte den großen Vorteil, dass sie nur ein Schläfchen am Tag machte, daher war sie vormittags auch nicht so müde, wie Milou es ist.

Tag 3

Milou: Heute wird Milou das erste mal allein bei der Tagesmutter sein. Wir kommen an, ich ziehe sie aus und setze sie in einen der Maxi Cosis, die bei der Tagesmutter stehen. Milou lässt sich alles gefallen, fordert einen Apfel ein und weint nicht, als ich den Raum verlasse.Dafür aber, als ich weg bin und dies wohl ziemlich stark. Sie soll nächstes Mal ein Kuscheltier mitbringen.

Mama: Ich habe beim Verlassen der Tagesmutter ein super Gefühl, und die Hoffnung dass es ohne Weinen geht. Um mich selbst abzulenken gehe ich einkaufen. Ich merke, dass mir diese Eingewöhnung schwerer fällt, weil ich Milou weniger zutraue, als ich es Ida zugetraut habe. Sie ist so sehr auf mich fixiert und hat noch nie lange geweint, ich will nicht, dass sie sich verlassen fühlt.

Als ich wiederkomme, ist Milou mit einem fremden Kuscheltiere im Arm eingeschlafen, schnauft aber noch vom weinen. Ich habe einen Kloß im Hals, als die Tagesmutter mir erzählt, dass mein Baby viel geweint hat. Schlechtes Gewissen Hallo! Wir brauchen unbedingt ein schönes Kuscheltiere für meinen Schatz. Ich freue mich, dass jetzt erst einmal 3 Tage ohne Tagesmutter kommen.

Ida: Bei Ida war die Eingewöhnung sanfter. Ich musste noch nicht das Haus verlassen, sondern bin erst einmal in einen anderen Raum gegangen, ohne mich zu verabschieden. Ich konnte hören, dass es ihr gut ging.   

2. Woche

Tag1

Milou: Wir gehen zur Tagesmutter und Milou macht einen normalen Eindruck, sie weint nicht  und zeigt auch auf keine Art und Weise, dass sie nicht ins Haus will. Drinnen angekommen, setze ich sie in ihren Stuhl, und sage ihr tschüss, küsse sie aber nicht. Sie weint nicht, als ich das Haus verlasse. Milou schläft wieder dort ein, wacht auch wieder auf und weint erst kurz vor 11, als ich sie abholen will.

Mama: In dieser Woche geht es mir schon besser. Ich bin sehr erleichtert, dass Milou nicht allein vom Anblick des Hauses anfängt zu weinen. Die Tagesmutter ruft nach 45 Minuten an, um mir mitzuteilen, dass Milou heute besser bis 11 da bleibt, weil sie eingeschlafen ist und sie möchte, dass sie aufwacht, ohne dass Mama da ist. Das leuchtet mir ein. Um 11 bin ich froh, dass alles so gut geklappt hat.

Ida: Ich weiß noch genau, das bei Ida die zweite Woche viel härter war, als die erste. Ida weinte stark und ich fand den Abschied deutlich schwieriger. Schwups, da war ich auch schon raus aus dem Haus. Auch hatte ich damals das Gefühl, dass es die Tagesmutter störte, dass Ida so schreit. (es war nur mein subjektives Empfinden) Ich hörte immer nur:“ach, das frühstück war sehr laut!“ Aber wie sagt man einer Mama, dass ihr Baby geweint hat?

Tag2

Milou: Milou ist super Mama-fixiert, sie ist ein empfindliches Wesen und weint sehr schnell los. Das hat mittlerweile auch die Tagesmutter bemerkt, aber sie reagiert ganz cool. Es sei nur wichtig für sie zu wissen, damit sie sich darauf einstellen kann, ansonsten stört es sie nicht. Wieder bleibt Milou 2 Stunden, wieder schläft sie dort.Als ich sie abhole fängt sie in meinem Arm an zu weinen.

Mama: Ich gewöhne mich immer mehr daran, dass die Maus weg ist. Endlich werde ich 4 x die Woche etwas Zeit für mich bekommen und das ist bei meinem Nervenkostüm dringend nötig. Heute weint Milou, als ich sie abgebe und den Raum verlasse, aber auch diesen Prozess finde ich wichtig. Sie muss lernen, dass ich wiederkommen. Sie muss lernen, dass ich Tschüss sage, aber nicht für immer gehe. Die Tagesmutter erzählt mir beim Abholen, dass sie sehr gut gelaunt ist, aber jetzt an ihr klebt. Wenn sie ein anderes Kind wickeln muss oder sie auf die Toilette muss, dann weint Milou, sonst darf sie aber auf ihren Arm und kuscheln.

Ida: Ich weiß noch wie K.O. Ida immer nach der Eingewöhnung war. Ida wäre nie bei ihrer Tagesmutter eingeschlafen.

Tag3

Milou: Heute läuft Milos selbst in die Tür zur Tagesmutter (an der Hand, sie kann noch nicht laufen). Nachdem sie ausgezogen ist, gebe ich sie zur Tagesmutter auf den Arm, sie fängt sofort an zu weinen. Als ich sie abhole, macht sie kurz ein Schippchen, aber sie weint nicht, sondern ist ganz entspannt auf meinem Arm. Auch sonst war es ein Vormittag ohne Tränen und so sind wir alle zufrieden.

Mama: Heute war der erste Tag, an dem ich es richtig genossen habe Zeit für mich zu haben. Ich war nicht einkaufen und bin nirgendwo hin gejagt, sondern war zu Hause und habe die Zeit für mich genossen. Um so schöner, dass es auch meinem Baby gut ergangen ist.

Ida: Ich weiß noch, dass die ganze Woche schlimm geweint wurde und sie unheimlich anhänglich war. Milou hat recht schnell in ihre alte Form gefunden, ich kann sie absetzen und sie spielt für sich. Ich habe nicht das Gefühl, dass sie hier zu Hause fürchtet, dass ich weg gehe.

Tag 4

Milou: Die Nacht war sehr unentspannt und Milou ist schlecht drauf. Das bekommt nun auch die Tagesmutter zu spüren, denn sie kann sie heute nicht absetzen, ohne dass Milou anfängt  zu weinen. Sie weint beim Hinbringen und auch beim Abholen. Solche Tage gibt es eben auch.

Mama: Ich geniesse die neu gewonnene Freiheit! Es fällt mir nicht schwer mein Kind bei der Tagesmutter zu lassen, denn es ist nicht nur unheimlich wichtig für Milou, sondern auch für mich. Endlich in Ruhe einkaufen, endlich den Kaffee in Ruhe trinken, Zeit für den Haushalt haben, Zeit für mich haben. Das alles hat mir gefehlt und jetzt rieche ich schon den Duft der „Freiheit“ und freue mich drauf. ich freue mich auch darauf, dass ich sobald Milou eingewöhnt ist, auch mal etwas allein mit Ida machen kann. Denn auch das ist dringend nötig!

Ida: Bei Ida fiel mir alles viel leichter, sie war schon weiter voran in der Entwicklung und auch das Weinen machte mir weniger aus. Ida war ein Schreikind und hatte schon immer etwas zu nörgeln. Da gewöhnt man sich einfach an den Klang. Milou weint selten und hat bemerkt, dass dies ein gutes Kommunikationsmittel ist, um das zu bekommen, was sie will.

Ich hätte nie gedacht, dass mir die Eingewöhnung so schwer fallen könnte. Vielleicht, weil Milou mein letztes Baby sein wird, vielleicht, weil ich ihr einfach weniger zutraue. Ich bin heilfroh, dass bei uns kein Zeitdruck in der Eingewöhnung herrscht und dass Milou zu einer Tagesmutter geht. Vielleicht kann die familiäre Atmosphäre sie etwas besser auffangen.

2 Wochen Eingewöhnung gehen zu Ende. Ein langer Weg liegt noch vor uns, aber der schwerste Schritt ist schon durchlebt.

Eingewöhnung
Zu Hause ist Milou so frech wie eh und je…

Wie war das denn bei Euch so? Fiel es euch leicht, oder war die Eingewöhnung für euch genauso wichtig, wie für euer Kind?

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