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Me – Versagermom

Posted in Allgemein

Was vom Meckern übrig blieb… so sollte dieser Beitrag eigentlich heißen. Nun heisst er „Me – Versagermom“, aber was ist eigentlich passiert?

Vor genau einem Monat gelobte ich, dass ich Schluss mache. Ich hatte keine Lust mehr auf meckern – hab ich übrigens immer noch nicht – und wollte nicht mehr schreien, mich nicht mehr hetzen, nicht mehr Grob sein, mich nicht selbst aufgeben für die Kinder und nach Hilfe fragen, wenn ich sie brauche. (Hier gibt es den ausführlichen Beitrag).

Doch was ist jetzt eigentlich schief gelaufen, dass ich mich wie der letze Versager fühle?

Alles hatte so gut angefangen. Ich war motiviert, ich hatte Energie, ich wollte wirklich etwas verändern. Das erste Rädchen, an dem ich drehte, war die Zeit. Morgens eine halbe Stunde früher aufstehen, mittags eine Viertelstunde früher losfahren, damit wir nicht unter Zeitdruck geraten.

Die Veränderung, die dieses Rädchen brachte, war so schön, dass ich kurz der Illusion erlag, es könnte tatsächlich alles besser werden.

Und es vergingen genug Tage ohne Streit und Geschrei.

Ich war geduldig, ich hörte Ida zu und ich lernte. Ich lernte, dass wohl nicht nur meine kleine Tochter vor einem großen Übergang von Baby zu Kleinkind steht, sondern auch meine Große zwischen dem Kleinkind und Kind hängt. Und diese zwei Ereignisse prallen gerade auf einander.

Milou fordert die Aufmerksamkeit wie nie zuvor, sie kann nicht laufen, will aber an der Hand von Mama gehen. Sie klettert überall hinauf und fordert viel ein. Sie entwickelt sich rasend und wird super viel von mir gelobt.

In diesen Momenten fragt Ida immer: „Und was kann ich sehr gut?“ Und ich sage es ihr (habe ich auch schon vorher!), aber so ein  selbstgefischtes Kompliment hat natürlich eine viel schwächere Wirkung, als ein Lob, das sie von mir einfach aus dem Nichts heraus bekommt.

Auch vermisst Ida meine Nähe, hatte sie doch bis zu Milous Geburt jede Nacht ihre kleinen Füße unter meinen Bauch geschoben. Mich gibt es kaum ohne Baby, und der Papa kann die Mama nicht ersetzen, so wie auch ich ihn nicht ersetzen kann.

Ich konnte wirklich häufig vermeiden Ida anzuschreien und anstatt grob zu sein, nahm ich ihre Hand und geleitete sie die Treppe hinauf in ihr Zimmer und ganz oft wurde schon auf dem Weg nach oben die Lösung des Problems gefunden.

Aus Sommer wurde Herbst …

und auf einmal zog das Geschrei wieder in unser Haus. Jeden Morgen gibt es jetzt Geschrei, denn die Madame behauptet, all ihre Kleidung sei zu warm!

Vielleicht ist sie ein Heißblut, aber ich ziehe ihr schon den Zwiebellook und die dünnste Jacke an, trotzdem werde ich angeschrien und das macht mich fertig. Parallel wird Milou gerade bei der Tagesmutter eingewöhnt und ich möchte auch für die Kleine da sein. Ich finde es unfair, dass Ida uns tyrannisiert. Es wirkt manchmal so auf mich, als ob ich gar keine Chance habe es ihr recht zu machen.

Ich schreie zurück, weil sie mich wirklich auf die Palme bringt und ich nach 10 Hosen, die noch nichtmal über das Knie gezogen werden, ohne „Wäääähhhh, die sind zu eng!“-Gezeter, auch keine netten Worte mehr finden kann.

Ich bin es leid und kann nicht mehr. Es kann doch in der Familie nicht nur um sie gehen. All die Punkte die ich verändert habe, geben mir das Gefühl ich verbiege mich und strenge mich an, nur um mich ihrer Willkür zu beugen!

Am Schlimmsten ist, dass Ida so instabil in ihren Emotionen ist! Ständig heult sie los, oder sie schreit und schnauft wie ein tollwütiger Hund. Ich kann nicht mehr. Ich habe sogar schon gegoogelt, ob Ida vielleicht eine bipolare Störung hat.

Was vom Meckern übrig blieb… MECKERN!

Ach ja, die Punkte „nach Hilfe fragen“ und „mehr Zeit für mich“: Hahahaha! Hört ihr, wie ich mich selbst auslache? Niedlich von mir zu denken, das könnte man sich einfach so vornehmen.

Am Wochenende war ich krank und mein ganzes Kartenhaus fiel in sich zusammen. Gesund ist es schon so eine Anstrengung alles am Laufen zu halten, krank brach alles über mich ein. Ich weinte verzweifelt, weil ich einfach nicht mehr konnte, aber Mamas ja nicht krank sein dürfen (läuft nicht sogar aktuell eine Werbung in der uns dieser Zwang zum Perfektionismus eingebleut wird?!).

Nach Hilfe fragen? Wen denn? Wir wohnen in einer Stadt, die 500 km von meinen Eltern entfernt liegt. Meine Freunde wohnen überall verteilt, aber nicht hier. Von den zwei Freundinnen, die ich hier habe, war die eine am Wochenende nicht da, und die andere ist genau so oft allein mit ihren zwei Kindern wie ich!

Einziger Lichtblick am Wochenende war, dass mein sehr geduldiger Mann, auch mal die Nerven verlor, als er einen Vormittag auf beide Kinder aufpassen musste. Gemein oder?

Ich gebe auf! Ich kann nicht mehr.

20.10.2016

Ja, so stand der Text dort, bis ich gestern etwas erlebt hab, was mir wieder Mut gegeben hat!

Ich war bei Idas Freundin zu Hause und aus irgendeinem für Mamas unerfindlichen Grund schrie und tobte auf einmal das Kind einer anderen! In der gleichen unvorstellbaren Lautstärke wie Ida, sie lief rot an, wie Ida und weinte Wie Ida. War das vielleicht schön! 

Kind ist doch nicht bipolar gestört, sonder einfach so kacke drauf, wie all ihre Freundinnen gerade auch.

Es ist nur eine Phase, durch die wir gerade alle durch müssen. Und weil ich gestern wieder Mut schöpfen konnte, gibt es hier eine neue ToDo-Liste:

  1. Zeit mit dem großen Kind verbringen! 

    Innerhalb des nächsten Monats muss das möglich sein. Die großen haben es verdient und wir haben es auch.

  2. Loben ohne gefragt zu werden.

    Wir Deutschen sind ja sowieso die Lob-Looser! Im Job ist es Lob genug keinen Ärger zu bekommen und die Kinder werden im Kleinkindalter verhätschelt  und dann ist auf einmal Schluss, nur weil wir Blödies ihre tolle Entwicklung nicht mehr so deutlich erkennen können! Schluss damit – Diesen Monat wird über den Klee gelobt! Bei mir besteht keine Gefahr zur Helikoptermutter zu werden nur weil ich meine Tochter toll finde und es IHR auch sage!

  3. Zeit für mich:

    Auf die Gefahr hin, dass ich mich nächsten Monat wieder auslache… aber das ist immer noch wichtig! Heute Abend fange ich mit dem Elternabend an! …. Scherz, der zählt nicht als Qualityzeit!

  4. Anziehsachen abends raus legen

    Ich lege die Klamotten abends raus und bespreche das mit Ida, dann gibt es morgens weniger Stress. Niemand kann so einen Start gebrauchen, wie wir ihn hier ständig haben.

  5. Eine Datenight:

    Einmal im nächsten Monat mache ich mich richtig schick und gehe auf ein Date mit meinem Mann! – Und wenn es nur ein Date zu Hause ist! Das bin ich mir und auch meinem Mann schuldig!

Wie lief es bei euch? Und was habt Ihr für Punkte? Ich glaube, einer der Gründe, warum ich heute wieder gut gelaunt bin, sind auch die sehr sehr netten Kommentare, die unter meinem letzten Beitrag zu finden sind! Ihr seid echt so cool und ich freue mich sehr über eure Anwesenheit auf diesem Blog!

mamatizedmitkids
Ach, die könne auch soooo sooo süß sein, wenn sie wollen!

8 Comments

  1. Hallo, liebe Katja,

    Ich habe auch diesen ganzen Spaß mitgemacht. Es wird ja auch alles eine Nummer härter sobald die kleine in die Trotzphase kommt. Das wichtigste ist es, alles nicht so wichtig zu nehmen was die Kinder angeht. Ich musste etwas lachen, weil ich mich auch mal so in die enge getrieben hatte mit meinen sehr hohen Ansprüchen, dass sogar ein Elternabend für mich zu Metime wurde und ich nicht mehr nach Hause wollte. Ich stand manchmal draußen vor dem Haus und wollte nicht rein. Habe fast geweint. Ich kann nur sagen, die Kindheit überleben am besten nicht die stärksten Eltern, sondern die, die locker damit umgehen. Wir sind für unsere Kinder sowieso die besten Eltern.
    Kopf Hoch, wir sind nicht allein!
    LG,
    Natalia

    20. Oktober 2016
    |Reply
    • Katja
      Katja

      Da hast du sicherlich recht! Entspannen ist bloß immer viel viel leichter gesagt, als getan!? aber auf ein Neues!

      20. Oktober 2016
      |Reply
  2. Liebe Katja,
    es tut so gut zu lesen, dass es bei anderen Familien genauso schlimm zugeht wie bei uns. Ich habe mich in den letzten Wochen mit meiner zickenden Tochter so oft über Klamotten gestritten… Und ganz oft war ich alles andere als eine entspannte, verständnisvolle Mutter. Aber dieser kleine Dickkopf bringt mich einfach so unglaublich auf die Palme…
    Hinterher tut es immer uns beiden leid, dass wir uns so angeschrien haben.
    Das Problem ist meistens, dass sie sich nicht zwischen einem entweder oder entscheiden kann, sondern es einfach gar keine für sie akzeptable Lösung gibt. Wie will weder Hose noch Rock noch Strumpfhose noch nackig…
    Leider geht das schon so seit sie zwei ist. Jetzt ist sie fünf und ich hoffe, dass es bald besser wird.
    Zum Glück gibt es immer auch gute Phasen!

    Deine To Do Liste hört sich gut an. Denn letztlich hilft es immer, wenn die Mama entspannt ist.
    Ich wünsch dir viel Kraft, diese Phase gut zu überstehen!
    Liebe Grüße
    Andrea

    20. Oktober 2016
    |Reply
    • Katja
      Katja

      Vielen Dank liebe Andrea, mir tut es auch gut zu lesen, dass ich nicht allein bin! 5 sagst du? Oha, da hab ich noch was vor mir! Ich werd mehr an die guten Phasen denken und diese auch mehr genieße. ?
      Liebste Grüße und vielen Dank für deine Worte!

      20. Oktober 2016
      |Reply
  3. Jessi
    Jessi

    Liebe Katja,

    Ich kann dich so verstehen. Mir geht es mit Lian gerade so. Ich kann ihm nichts recht machen. Alles muss nach seinem Kopf gehen, sonst haben wir nur Geschrei und Wutausbrüche. Luca muss oft zurückstecken. Nur weil der kleine Mann so einen Stress veranstaltet und sich auch nicht mehr beruhigen lässt.
    Ich hab den Vorteil das mein Mann jetzt wieder viel daheim ist. Es ist ein tolles Gefühl wenn man einen stressigen Tag hat, aber weiß abends bekommt man Unterstützung.
    Aber das war bei uns auch nicht immer so. Gerade wenn man dann auch noch krank ist. Ich hatte auch nie jemanden und das war wirklich hart.
    Ich kann dir anbieten das du dich jederzeit bei mir melden kannst. ?
    Müssen uns eh mal wieder treffen wenn du Lust hast. Die Einladung zum Kaffee steht.

    22. Oktober 2016
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    • Katja
      Katja

      Oh ja! Unbedingt! Das machen wir! Ich finde es gibt immer solche und solche Tage und an den guten denke ich dann, auch ist doch alles gar nicht so schlimm! ?

      22. Oktober 2016
      |Reply
  4. Stefanie
    Stefanie

    Erstmal… ich finde deinen Blog toll. Alles was du schreibst, könnten meine Worte sein. Hier (2 Erwachsene, eine 5-Jährige u ein fast 1-Jähriger) sieht es fast genauso aus. Ich hoffe dir und auch deinen Lesern hilft der Gedanke, dass wir alle nicht allein sind mit solchen Situationen. Friede Freude Eierkuchen gibt es nicht. Das echte Leben ist halt manchmal laut und meckernd,aber dafür auch echt und nicht gestellt.
    Schön, dass du es auch so schreibst wie es eben manchmal ist. Bitte weiter so herzerfrischend ehrlich schreiben.
    Grüßle Stefanie

    23. Oktober 2016
    |Reply
    • Katja
      Katja

      Liebe Stefanie! Ich danke dir vielmals für dieses schöne Kompliment ? das hat mir echt den Morgen versüßt! Ich hatte erst Zweifel mit diesem Beitrag, weil ich nicht möchte, dass mein Blog ein ewiges Gejammer ist, denn das nervt ja auch irgendwie, aber wenn es schlecht läuft, dann muss das eben auch gesagt werden! Liebe Grüße
      Katja

      23. Oktober 2016
      |Reply

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