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Familie im Umbruch – Als Diplomatenfamilie in Mexiko

Posted in Gastbeiträge

Vor einem halben Jahr zogen wir mit unseren Kindern (drei Mädchen – 6, 4 und 1) und Sack und Pack nach Mexiko-Stadt. Mein Mann ist Diplomat und arbeitet an der Deutschen Botschaft hier. Das ist unser erster Auslandsposten, in Zukunft werden wir alle drei (höchstens vier) Jahre das Land wechseln. In Berlin haben wir die Möglichkeit auf zwei Posten nacheinander (manchmal gehen auch mehr), sprich: 6 Jahre.

Be Jewly

Als wir in Mexiko-Stadt ankommen, hat der Mann, der mein spanisches Sprachrohr ist, nur eine Woche Urlaub, bevor er anfangen muss zu arbeiten. Es ist Ende Mai und der Deutsche Kindergarten nimmt erst zum August neue Kinder auf. Ich bin also mit den Kindern allein. Im Hotel. In einer fremden Stadt. Ohne Spanischkenntnisse. Das ist ein harter Einstieg und wirklich ein Schmiss in`s kalte Wasser.

Der Mann hat zwar Familie hier in Mexiko, die sich lieb und hilfreich kümmert (und das auch bis heute), diese hat aber natürlich auch ein eigenes Leben, ihre eigene Familie. Überbeanspruchung ist nicht möglich.

Unsere Container kommen vier Wochen nach unserer Ankunft und die Kinder freuen sich wahnsinnig, als wir damit in unser Haus ein- und aus dem Hotel ausziehen können. Wie Weihnachten fühlt es sich an, alle Kisten auszupacken! Aber auch Wehmut kommt auf, als die vielen Fotos und Freundebücher ausgepackt werden.

Die Kindergartengruppen werden plötzlich schmerzlich vermisst, gerade, wo die Mädchen so lange zu Hause sind. Die beste Freundin, die in die Schule kommt. Die Nachbarn, bei denen die Kinder so gerne zu Besuch waren. All das fehlt so bewusst. Auch jetzt noch, nach einem halben Jahr, erwähnen die Mädchen oft ihre alten Freunde. Mittlerweile aber nicht mehr unter Tränen, sondern eher freudig.

Mexiko

Ich bin erleichtert, dass sie so schnell und gut in unserem neuen Leben angekommen sind. Ich hoffe, dass das ein gutes Vorzeichen für unsere Zukunft ist.

Seit Ende August gehen die großen beiden Mädchen hier in den Deutschen Kindergarten und haben schon viele neue Freunde gefunden. Jede war schon auf verschiedene Geburtstage eingeladen und ein paar Mal hatten wir auch schon Besuch von neuen Kindern.

Ganz so, wie es in Berlin war, ist es aber nicht. Kaum ein Spielplatz ist in der Nähe, keine Nachbarskinder sind auf den Straßen, Verabredungen zum Spielen sind noch rar.

Dafür geht die Größte mittlerweile zwei Mal in der Woche zum Ballett, was in Deutschland ihr großer Wunsch war. Und sie integrierte sich ganz wunderbar in die Gruppe, obwohl niemand, nichtmal die Lehrerin, Deutsch spricht.

Für die Kinder, so scheint es, ist es wesentlich leichter, Freundschaften zu knüpfen, als für mich. Die Sprachbarriere ist für sie nicht so ein großes Thema, wenngleich sie schon sehr gut Spanisch sprechen und von Woche zu Woche mehr lernen. Pipilotta, die Kleinste, spricht sogar ihre ersten Worte auf Spanisch!

Mexico

Ich umgebe mich noch hauptsächlich (abgesehen von der mexikanischen Familie) mit deutschen Frauen, die ich über den Kindergarten oder die Botschaft kennenlerne. Mehr und mehr kommen auch mexikanische Frauen dazu, die so offen und furchtbar freundlich sind. Mit anderen Expats gibt es nur mehr Anknüpfungspunkte. Wir haben alle ähnliche Probleme und Sorgen, weil wir in ähnlichen Umständen sind. Richtige Freundschaften werden hoffentlich noch entstehen – wenn ich mich auch sorge, wie es nach den drei Jahren damit weitergeht.

Daneben vermisse ich meine Freunde und Familie in Deutschland wahnsinnig! Ich bin ein Mensch, der gerne vertraute Menschen um sich hat und nicht gerne viel allein ist. Das ist noch hart für mich und ich hoffe, es wird bald besser. Ein Heimaturlaub ist erst im Sommer 2017 geplant, Teile meiner Familie – meine Schwester, meine Mutter, meine Schwiegereltern – stehen aber schon auf der Besucherliste und ich freue mich sehr auf sie!

Bejewly

Für mich heißt es jetzt noch: Spanisch lernen. Und zwar richtig. Zwei Mal in der Woche, wenn die Kleinste von ihrer Nanny betreut wird und die Großen im Kindergarten sind, habe ich einen Kurs.

Ich bin mir sicher, dass vieles hier leichter wird, wenn ich die Sprache besser beherrsche und mich richtig verständlich machen kann. Die Kinder werden hoffentlich genau so weiter machen, wie sie begonnen haben und ich denke, wir werden aus unserer Zeit hier in Mexiko sehr viele gute Erfahrungen und liebe Menschen mitnehmen!

Über die Autorin 

mex-6Auf bejewly.de bloggt Berdien regelmäßig über ihr neues Familienleben in Mexiko-Stadt. Die gebürtige Bayerin gewährt sehr ehrliche Einblicke in ihre Eingewöhnung an die neue Kultur und es macht sehr viel Spass Mexiko mit ihr zusammen zu entdecken. Ich erwische mich aber auch dabei, mir Gedanken zu machen, wie wäre das wohl bei uns.

Liebe Berdien,

ich danke dir vielmals für diesen bestimmt nicht einfachen Einblick in euer bewegtes Lebens und wünsche dir, dass du eine unvergessliche, fabelhafte Zeit in Mexiko verbringen wirst. Auch wenn unsere Partner nicht ansatzweise den gleichen Beruf ausüben, so gibt es viele Parallelen. Ich bin sehr gespannt auf die Zukunft und wie ihr sie meistern werdet, und freue mich, dass du uns auf dem Weg mitnimmst!

Und ihr lieben Leser, Ihr dürft Berdien gern ein paar Tipps zur schnellen Eingewöhnung, oder gegen das Vermissen der Familie da lassen! Oder Ihr lasst sie einfach wissen, wie Euch ihr Text gefallen hat!

Einen Kommentar

  1. Wenn man die schönen Bilder sieht, dann denkt man gar nicht wirklich darüber nach, dass es auch Schattenseiten geben kann… Ein schöner Text, der aber auch zeigt, dass das Leben im Ausland nicht immer einfach ist. Ist das die erste Auslandsverwendung deines Mannes, Berdien? Ich könnte mir das schon vorstellen ins Ausland zu gehen für eine Weile, aber wenn man weiß, dass man sich die nächsten Jahre regelmäßig umgewöhnen muss? Im Grunde müssen wir das als Soldatenfamilie zwar auch, alle 3-5 Jahre, aber wir bleiben in aller Regel wenigestens in D. und „müssen“ nicht ständig in fremde Kulturen eintauchen und neue Sprachen lernen. Das ist zwar auch spannend, aber bringt sicherlich auch Schwierigkeiten und Unsicherheiten mit sich.

    Gruß
    Sylvi

    7. Dezember 2016
    |Reply

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