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Mit 4 – Der Übergang vom Kleinkind zum Kind

Posted in Erziehung

Mit 4 ist man kein Kleinkind mehr und ich merke wie anstrengend dieser Übergang für mein kleines großes Mädchen war und immer noch ist!
Was wurde in den letzten Wochen geweint, gezetert und dramatisiert. Ida ist richtig unentspannt und merkt den Druck und den Anspruch, der auf einmal auf ihr lastet.

Warte, welcher Druck und welche Ansprüche denn? Ich übe kaum Druck auf mein kleines Mädchen aus. Dennoch verlange ich ein paar Dinge von ihr, die sie aber gewiss nicht überfordern, sonder ihre Selbstständigkeit fördern sollen!
Kennt ihr noch die alte Britney Kamelle „I’m not a girl, not yet a woman“? (Ohrwurm an)
Der sollte nochmal umgeschrieben werden in „I’m not a Kleinkind, not yet a Kind!“ Denn genau so stelle ich mir Ihre Gefühlswelt gerade vor. Zu klein, um in die Schule zu gehen, zu groß, um im Buggy geschoben zu werden. Zu klein, um allein irgendwo auf der Straße zu sein, zu groß dafür, dass Mama überall hin mitkommt.

Die Sache mit dem Thronsturz

Und dann ist da ja noch die süße kleine Schwester, die sich ihren Applaus selbst abholt, wenn sie zum Beispiel sich hinstellt und nicht weiterläuft, weil das Publikum sie nicht gebührend feiert! Das kleine Miloüchen, dass gerade entdeckt wann sie süß und niedlich wirkt und wie sie mit dieser Eigenschaft ihre beiden Eltern um den Finger  wickeln kann!

Das ist wohl doppelt gemein, wenn man seinen Platz gerade neu findet. Oft fragt Ida:“Und was kann ich gut?“, oder spricht in Babysprache, weil sie denkt, dass sie nur so sehr niedlich ist. Und ich? Ich bin genervt davon, weil ich keine zwei Babies brauche, weil ich denke, ich sage ihr doch schon so häufig, dass sie Sachen ganz toll macht! Vielleicht nicht mit Applaus, aber doch sehr deutlich mit Worten!
Und dann kommt dieser  (typisch deutsche) Gedanke hoch: Ich kann sie ja nicht ständig loben! Aber warum eigentlich nicht? Was spricht dagegen ein wenig mehr Enthusiasmus für die Dinge, die dein Kind macht, aufbringen, so wie es die Amerikaner machen! „Awesome“ und „great“ (zu Dt. „fantastisch, ausgezeichnet“ und „großartig“) sind Adjektive, die uns irgendwie übertrieben vorkommen. Aber solange wir diese Worte nur nutzen, um unsere Kinder zu bestärken, laufen wir auch keine Gefahr zu prahlenden Helikopter-Mamas zu werden!
Ich gebe zu, manchmal fällt es mir schwer Ida in einem dramatischen Heulanfall auch noch zu trösten, auch weil Milou ständig meine Nähe fordert. Aber gerade dann muss ich mir ins Bewusstsein rufen, dass dies vielleicht Idas einzige Möglichkeit ist mehr Nähe von mir einzufordern! Denn obwohl sie meine GROßE Tochter ist, ist sie noch ein Kind! Nicht mehr ganz klein aber auch noch nicht groß! Und das ist auch gut so.

Was kann ich tun, um meinem Kind gerecht zu werden?

  • täglich ein paar Minuten Zeit nur für sie: 

    ihr sagen, dass man auch Zeit nur mit ihr haben will! Ihr zeigen, dass man die Zweisamkeit genießt! Und auch mal eine Viertelstunde länger wach bleiben, wenn man merkt, das Kind geniesst die zeit gerade so richtig.

  • Anreize geben, dass es toll ist größer zu werden:

    länger aufbleiben, zusammen Ausflüge machen, sie selbst Kerzen anzünden lassen, sie mit der großen Schere schneiden lassen, sie mit dem Schälmesser schneiden lassen! Und ihr immer wieder auch aufzeigen, dass sie eben diese Vorzüge hat, weil sie schon größer ist als ihre Schwester!

  • Emotionen nicht einfach abtun:

    wenn sie weint, wenn sie wütend ist braucht sie Aufmerksamkeit. Deshalb sollte ich ihr diese Aufmerksamkeit auch geben! Auch wenn das bedeutet, dass es anstrengend ist. Gerade das Thema Emotionen ist in dieser Phase sehr schwer zu verarbeiten. Sie kann schon alles ausdrücken, kann aber emotional noch nicht greifen, was in ihr los ist – ihr fehlt die emotionale Kompetenz. Sie kennt noch keinen Unterschied zwischen Wut, Ärger, Eifersucht und so drückt sie (aktuell) alles mit Weinen aus. Das ist auch kein Weinen, weil sie etwas nicht bekommt, sondern ein Zeichen, dass sie gerade an ihre Grenze gelangt. Und vor allem ganz viel über diese Emotionen sprechen. Ihr die Worte für Gefühle geben, die sie noch nicht zuordnen kann. Das braucht vor allem Zeit und Geduld!

  • Ihre Bedürfnisse an erste Stelle stellen:

    Zumindest ab und an will ich drauf achten, dass auch Sie mal an erster Stelle kommt. Sei es, dass sie als erste bei einem Spiel anfangen darf, oder sie zuerst den Abendbrotteller hingestellt bekommt. Hier geht es mir vor allem um das „bevor ihre Kleine Schwester etwas bekommt“, denn wir Erwachsenen geben ihr immer zuerst, wenn es nur um uns geht. Ich stelle es mir schwer vor, wenn man auf einmal vom Thron fällt. Milou macht es Ida auch nicht leicht. Sie geht zum Beispiel immer zwischen mich und Ida, wenn wir gerade kuscheln. Umso wichtiger ist es, dass Ida sieht, dass auch sie mal die erste Geige spielen darf.

  • Sie feiern: 

    Ihr die Aufmerksamkeit geben, die sie verdient und nicht nur mit halbem Ohr zuhören! Ja, das muss ich mir ganz doll auf die Fahne schreiben! Natürlich entwickelt Ida sich nicht mehr so rasant wie ihre einjährige Schwester, trotzdem lernt sie ständig dazu und auch das sollte beklatscht und gefeiert werden. Sie kann endlich ein Herz malen? Bravoooooo! Sie hat sich komplett allein angezogen? Das ist ja prima! Sie fällt hin, weint und steht dann ganz tapfer wieder auf? Super! Es ist gar nicht so schwer, wir sind es bloß nicht gewohnt gelobt zu werden und geben es deshalb auch nicht weiter! (Aber dazu schreibe ich ein anderes Mal mehr)

Wer glaubt, dass Erziehung nach einem immer gleichbleibenden Schema funktioniert, der irrt. Es geht auch als Elternteil darum sich zu entwickeln und andere Methoden zu finden, die das Kind besser erreichen, als das, was noch vor einem Jahr galt. Aber das ist auch das Schöne daran, der Kopf hat immer wieder etwas zu tun und der Bauch sagt, ob die Idee gut ist.

Nun will ich von Euch wissen: Kennt ihr diese Phase auch? Habt ihr vielleicht ein paar Tipps, was ich noch machen könnte? Wie habt ihr das gemacht?

 

Ein Kleinkind ist sie wirklich nicht mehr…

2 Comments

  1. Hallo Katja!
    Bei meiner 6 Jährigen ist es noch so, dass ich oft dieses Lied im Kopf habe :). Sie tut sich immer noch schwer, kommt bald in die Schule ist aber eigentlich noch ein Kindergartenkind. Und auch die 4 Jährige ist ähnlich, wie Ida.

    Ich finde deine Vorschläge sehr schön. Genau das haben wir letztens auch besprochen. Gerade, dass man die Emotionen so annehmen soll. Ich ziehe meine Vierjährige jetzt auch immer wieder mal an, weil sie es nicht machen will oder sie bekommt eine Extraportion Schmusen.

    Liebste Grüße
    Berdien

    5. Januar 2017
    |Reply
    • Katja
      Katja

      Liebe Berdien, das machen wir auch mit dem anziehen! Ich würd zum Beispiel heute noch gern Brote geschmiert bekommen obwohl ich die auch selber machen kann! Oft geht es da gar nicht um nicht können, sondern ums umsorgt werden, oder? Danke

      5. Januar 2017
      |Reply

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